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„Die KI kann mich mal" – Warum ich dieses Buch geschrieben habe

Es war in den Weihnachtsferien 2024. Ich saß da, umgeben von Browser-Tabs über neue KI-Features, Start-up-Meldungen und GPT-5-Gerüchten, und dachte mir: Es reicht. 


Nicht weil KI mich nicht mehr interessiert – sondern weil mir in diesem Moment schlagartig klar wurde, wie absurd der Widerspruch war, mit dem ich täglich lebte: Auf der einen Seite ein nicht enden wollender Strom an Nachrichten über das Ende der Arbeit, die Übernahme durch Maschinen, die KI-Apokalypse.


Auf der anderen Seite Menschen in meinen Workshops, die noch nicht mal einen ChatGPT-Account hatten. Ganz normale Leute mit ganz normalen Fragen, die sich durch den Hype einfach nur noch mehr verunsichert fühlten.


Dieser Widerspruch hat mich nicht losgelassen. Und irgendwann hat er dieses Buch produziert.


Was mich wirklich geärgert hat


In mehr als drei Jahren KI-Workshops mit hunderten Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den unterschiedlichsten Branchen hat sich immer wieder gezeigt: Die wirklich wichtigen Fragen lassen sich nicht in 3,5 Stunden beantworten. Und worauf hätte ich verweisen sollen? Schlagzeilen, die entweder jubeln oder warnen. IT-Blogs, die Fachkenntnisse voraussetzen. Und dazwischen: fast nichts.


Kein Buch, das einem ohne Vorkenntnisse erklärt, was an den großen KI-Versprechen wirklich dran ist – und was man getrost als heiße Luft abtun kann. Das hat mich geärgert. Also habe ich es selbst geschrieben.


Dabei geht es um Fragen, die ich wirklich täglich höre:


Wird mein Job von KI ersetzt? 

Die ehrliche Antwort ist komplizierter als ein simples Ja oder Nein. Jobs sind keine Listen von Tätigkeiten, die man einfach abhaken kann – sie bestehen aus einem Puzzle von Fähigkeiten, Beziehungen, Kontextwissen und Urteilsvermögen. KI kann Teile davon übernehmen, manchmal schneller und billiger als Menschen. Andere Teile – echte Empathie, moralisches Urteilen, das Navigieren in mehrdeutigen menschlichen Situationen – liegen ihr noch fern.


Warum lügt die KI? 

Nicht weil sie böse wäre, sondern weil sie im Kern ein Sprachsystem ist, das darauf trainiert wurde, plausibel klingende Antworten zu produzieren – nicht unbedingt wahre. Das nennt sich Halluzination, und es ist kein Fehler, der irgendwann gefixt wird. Es ist ein strukturelles Merkmal dieser Technologie. Wer das nicht weiß, ist deutlich anfälliger für selbstbewusst vorgetragenen Unsinn – erfundene Quellen, falsche Fakten, die klingen als kämen sie aus einer Enzyklopädie.


Was ist mit meinen Daten? 

Hinter jedem KI-System stecken riesige Mengen an Trainingsdaten – und die Frage, wer diese Daten besitzt, wer Zugriff hat und was damit passiert, ist längst nicht so einfach zu beantworten, wie die Datenschutzrichtlinien der Anbieter suggerieren. Und wer glaubt, das betreffe nur Technikenthusiastinnen, irrt: Jeder Text, jedes Bild, jede Anfrage, die man in ein KI-System gibt, ist Teil dieser Gleichung.


Verdirbt KI die Jugend? 

Diese Frage ist so alt wie Technologie selbst – jede neue Erfindung wurde irgendwann verdächtigt, die nächste Generation zu ruinieren. Das Buch, das Fernsehen, das Internet, Videospiele. Und jetzt KI. Das heißt nicht, dass die Bedenken unberechtigt sind. Aber es hilft, sie in historischen Kontext zu setzen – und dann sehr konkret zu schauen, was im Klassenzimmer tatsächlich passiert, wenn Schülerinnen und Schüler Hausaufgaben mit ChatGPT erledigen und Lehrerinnen und Lehrer nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen.


Kann ich noch glauben, was ich sehe? 

Deepfakes, KI-generierte Bilder, manipulierte Videos – die Fähigkeit, täuschend echte Inhalte zu erzeugen, ist nicht mehr Science-Fiction. Donald Trump als Papst, Angela Merkel beim Tanzen, ein Politiker mit Aussagen, die er nie gemacht hat. Was das für unsere Wahrnehmung von Realität bedeutet und welche neuen Kompetenzen wir brauchen, um damit umzugehen, ist eine der drängendsten gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit.


Warum es kein technisches Buch ist – und auch keines sein soll


KI ist kein Thema für IT-Abteilungen. Sie verändert, wie wir arbeiten, lernen, kommunizieren und entscheiden – und zwar für alle, nicht nur für diejenigen, die wissen, was ein Large Language Model ist.


Deshalb verzichtet das Buch auf Fachsprache, wo sie nicht nötig ist, und erklärt sie, wo sie auftaucht. Es arbeitet mit Vergleichen, Beispielen aus dem Alltag, Anekdoten aus Workshops und echten Fragen echter Menschen. Der Ton ist, wie ich hoffe, der eines guten Gesprächs: neugierig, direkt, manchmal auch ein bisschen ungehalten – weil manche Dinge einfach Anlass zur Aufregung geben.

Was es nicht ist: eine Anleitung zur Weltrettung. Und auch keine Warnung vor dem Untergang.


Es ist der Versuch, nüchtern und ehrlich hinzuschauen. Zu verstehen, was KI kann – und was nicht. Wo sie uns stärkt – und wo sie uns schwächt, wenn wir nicht aufpassen. Und vor allem: wie wir aufhören können, das Thema anderen zu überlassen, und anfangen, selbst eine Meinung zu bilden. Denn das ist am Ende das Einzige, was gegen Hype wirklich hilft: Wissen.


Und ein bisschen Hausverstand.



 
 
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